Martina Riedel mit ausgestreckten Armen mit dem Blick auf den Himmel

Zuversicht in schwierigen Zeiten

Ich lag im Krankenhausbett. Mein Körper kämpfte gegen eine allergische Reaktion, die in einem fast Atem- und Herzstillstand mündete. In diesem Moment war mir eines glasklar. Ich will leben.

Zuversicht ist für mich dieses eine, feste Wissen, tief in mir, dass es gut ausgeht- auch, wenn ich in dem Moment nicht wusste, wie.

Wikipedia definiert: „Zuversicht ist ein „festes Vertrauen auf eine positive Entwicklung in der Zukunft, auf die Erfüllung bestimmter Wünsche und Hoffnungen“. Wenn man mittendrin steckt, fühlt es sich anders an.

Eine weitere Blogparade: Zuversicht in schwierigen Zeiten von Pia Hübinger, die mich inspiriert und an der ich gerne teilnehme.

Zuversicht – Heute

Zuversicht als Grundhaltung ist m. E. lebensnotwendig. Gerade in der heutigen Zeit, die große Umbrüche und Unsicherheiten mit sich bringt, brauchen Menschen mehr Zuversicht denn je. Überladung durch den Lauf der Zeit, durch Ereignisse, die viel Auswirkungen auf das Innere haben, von Informationen, der Job wird unsicherer, die Kosten explodieren. Es ist kein Ende in Sicht. Viele Menschen scheinen überwältigt von dem Verlust an Sicherheit in Familie, Job, Schule, Gesundheit. Ich verstehe das, denn mein Gefühl ist, dass dieser Umbruch von jedem extrem viel fordert.

Vielleicht ist Zuversicht eine Überlebensstrategie, einfach Optimismus oder eine dringende Notwendigkeit. Für jeden ist ein anderer Aspekt wichtig, der auch täglich wechseln kann.

Zuversicht – Was heißt das?

Zuversicht bedeutet, dass ich positiv voran gehe. Vielleicht positiv in eine Zukunft schaue, auf die mich freue. Ein gewisser Optimismus begleitet mich dabei. Ich gehe den Weg in etwas Neues gerne. Ich kann dennoch Angst davor haben, es ist mir unheimlich oder ich bin sehr unsicher, ob es z. B. der richtige Weg für mich ist. Ich werde mich trotzdem weiter bewegen, in eine gewünschte Richtung, die ich mir meistens selber suchen kann.

Wenn die Richtung durch äußere Umstände, durch das Leben vorgegeben ist, ist die Frage, ob ich einverstanden bin. Kann ich mich einlassen auf das, was von mir gefragt oder erwartet wird? Habe ich Freude, das zu tun? Kann ich ja sagen zu etwas, das vor mir liegt? Oder kämpfe ich dagegen? Dabei ist mir immer wichtig, ehrlich zu sein: was vor mir liegt, muss mir nicht gefallen.

Eine Grundstimmung, die dazu gehört, ist Vertrauen. Vertraue ich oder bin ich eher ein mißtrauischer Mensch, der vielleicht sogar das Schlechte erwartet und damit rechnet, dass alles sowieso schief gehen wird. Manchmal bleibt nur eine Hoffnung auf ein gutes Ergebnis. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Sage ich ja zum Leben, vielleicht sogar in Heiterkeit, in Liebe, in Akzeptanz? Dann werde ich mehr Zuversicht haben auf das, was auf mich zu kommt.

Zuversicht im Mangel – Woran liegt das ?

Es gibt diverse Möglichkeiten, Zuversicht zu verlieren. Krankheit ist eine davon. Wie soll das ein Mensch schaffen, der gerade eine niederschmetternde Diagnose erhalten hat? Oder so im Schock ist durch Diagnose, Therapie und deren Folgen, dass ein nächster Schritt nicht vorstellbar ist.

Schicksalsschläge oder Verlust bringen ein Maß an Trauer und Niedergeschlagenheit mit sich, das meist kaum zu ertragen ist. Schon allein der Schmerz, der damit einher geht, kann einen Menschen zerbrechen und ist schwer zu verarbeiten.

Einsamkeit und Alleinsein gehört in eine Schiene, die zu einem Dauerstress führt und in eine große Hoffnungslosigkeit mündet. Wohl dem, der Familie und Freunde hat oder auch nur einen Menschen, der da ist und motivieren kann, weiterzugehen.

Burnout, Mobbing, Dauerstress führen zu inneren und äußeren Zuständen, die so negativ in der Spirale sind, dass Zuversicht wie eine Verhöhnung klingt. Man selbst versteht sich nicht, die Umgebung hört nicht mehr zu, weil sie gernervt ist von den Klagen, der eigene Körper rebelliert. Bis zu dem Tag, an dem nichts mehr geht.

Auch Innere Leere durch Sinnverlust, Ruhestand, ein gescheitertes Projekt ist eine mögliche Ursache, um Zuversicht und den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Angst vor der Zukunft, vor finanziellen Verlusten, davor, sich nicht mehr versorgen zu können, bedeuten eine kritische innere Stresssituation, die eine Person vor lauter Sorgen jeder Zuversicht berauben könnte.

Zuversicht – Wie ist es, keine zu haben?

Keine Zuversicht zu haben bedeutet, eine eher negative Stimmung zu haben. Mit wenig Hoffnung. Mit schlechten Gefühlen. Mit Sorgen und Nöten, für die es scheinbar keine Lösung gibt.

Die Gedanken kreisen um Sätze, wie „Das wird doch sowieso nichts“ oder „Wie soll ich das schaffen?“ oder „Das macht doch alles keinen Sinn“. Die Hoffnung wird immer geringer und der Kreislauf führt bergab.

Grübeln, Zerdenken, Zukunftsängste machen das Ganze nicht leichter, da sie meist in einer Dauerschleife geschehen. Den Kreislauf zu unterbrechen, aus eigener Kraft, ist oft schwer.

Ohnmacht mit der Überzeugung,“Ich kann eh nichts ändern“ führen in eine Isolation, die häufig ineinen Rückzug mündet.

Zuversicht – Wie kann ich mich persönlich stärken?

Ich persönlich nehme Kontakt auf zu einer Freundin, um ein Gespräch zu suchen. Zu reden über das, was mich belastet und beschäftigt. Ich hoffe, Feedback und neue Impulse zu bekommen und einen Austausch zu haben.

Ich liebe es, kleine Schritte gehen: Um Hilfe bitten, sich in ein Cafe setzen, ein Gespräch mit einem Nachbarn suchen. Es ist nichts zu klein, als dass es mir nicht wichtig sein kann. Jeder positive Moment kann mir eine neue Sichtweise ermöglichen, die eine innere Änderung zur Folge haben kann. Jede Möglichkeit sehe ich als eine Chance.

Kleine Schritte werden zu größeren werden zu kleinen Erfolgen werden zu Erfolgsgeschichten werden zu Vertrauen in eigene Fähigkeiten werden zu echten Veränderungen werden zu Zuversicht und Vertrauen in sich und das eigene Leben. Auf diesen Weg vertraue ich. Ihn zu gehen, wieder und wieder, zu üben, um sich zu stärken. Ich erlebe ihn immer wieder als sehr hilfreich.

Bewegung bringt Bewegung mein Leben. Bei mir war es der erste Spaziergang nach dem Klinikaufenthalt, der mich so tief beglückt hat. Der Duft der Bäume, das Grün im Park: ich war zutiefst dankbar, das erleben zudürfen. Ich hatte kaum Kraft und konnte nur eine winzige Runde laufen. Aber die hat gereicht, um mir neue Kraft zu geben. Das erste Mal wieder auf dem Laufband zu stehen, wurde für mich zur Offenbarung. Ah, mein Körper macht mit. Der erste Schritt fällt mir immer schwer. Der zweite geht leichter und ab dem dritten Schritt fängt es an, mir Freude zu machen.

Die Natur gibt sich und beschenkt mich mit neuer Energie und Kraft. Ich verbinde mich mit den Kräften der Natur, genieße die Luft, habe meine Lungen gefüllt mit frischer Luft statt Krankenhaus-Desinfektions Geruch. Das fühlt sich so nach Leben an, dass meine eigene Zuversicht wieder voll präsent ist. Neue Perspektiven machen meinen Weg frei für den Fokus auf neue Handlungen.

Die Suche nach dem Sinn ist mir wichtig. Ich stelle mir Fragen: Was will ich? Wo fühle ich mich wohl? Was war schon immer mein Traum? Welchen kleinen Schritt kann ich heute gehen in diese Richtung? Nicht immer finde ich die Antworten direkt oder leicht. Ich persönlich nehme da Hilfe in Anspruch von Menschen, die mich sehen und denen ich vertraue.

Spiritualität ist ein extrem wichtiger Faktor in meinem Leben. Er beinhaltet die Frage nach dem Warum. Warum lebe ich und Warum bin ich hier? Fühle ich mich verbunden mit einer höheren Macht? Glaube ich überhaupt daran? Ich kann das Gott, Universum, Quelle nennen. Für mich ist existentiell , mich mit der Quelle in mir zu verbinden. Ist es das Gebet, das mich trägt? Die Gemeinschaft einer Religion, Gemeinde oder einer Meditationsgruppe? Finde ich Kraft, Ruhe, Vertrauen in mir, die mir durch eine spirituelle Technik zuteil wird?

Zuversicht – Nach der Krise? Konkret.

  • Dankbarkeit praktizieren: Wofür bin heute dankbar? Was ist mir heute gelungen? Schreib das auf. Ich schreibe täglich, was gut war und worauf ich stolz bin an diesem Tag. Das öffnet den Raum für mehr.
  • Kleine Schritte gehen: Was ist heute ein winziger Schritt für meine Zuversicht und mein neues Leben? Manchmal schreibe ich nur ein Kapitel eines neuen Blogartikels. Und ich bin stolz darauf. An anderen Tagen ist es mehr.
  • Um Hilfe bitten: Ich war manchmal zu schwach, um zu kochen oder zu putzen. Ich brauchte Hilfe. Darum zu bitten ist ein Akt der Selbstliebe, in dem ich ehrlich bin mit mir, über das, was gerade möglich ist. Oder auch nicht. Wen kann ich heute ansprechen? Welcher Mensch kann mich unterstützen?Die meisten Menschen helfen sehr gerne und warten nur darauf, gefragt zu werden.
  • Selbstliebe praktizieren: Was tue ich mir heute Gutes, das mir zeigt, dass ich mir selbst wichtig bin? Ich habe mich mit meiner Ernährung beschäftigt und koche häufiger. Es darf schnell gehen, aber die Qualität meiner Lebensmittel soll gut sein. Und es soll lecker sein. Das bin ich mir wert.
  • Meine Erfolge: An welche Erfolge von früher oder von gestern erinnere ich mich heute? Meine Tendenz ist, meine Erfolge als selbstverständlich anzusehen, sie gar klein zu reden. Und nicht als etwas Gutes, Besonderes, Herausragendes zu erleben. Ich entwickle mehr Bewusstheit, diese wirklich anzuerkennen.
  • Meine innere Ausrichtung: Was ist mein Ziel für die nächste Zeit? Meine Vision? Mein Traum? Was ist das, was mich ausmacht und das ich beitragen möchte? Was gibt mir Kraft, um diese Schritte zu gehen? Wofür lohnt es sich, weiterzugehen? Hier springe immer mal wieder, weil ich neue Ideen habe und mehr Kraft, sie umzusetzen. Den Fokus behalten ist eine Herausforderung. Ich bleibe dran.
  • Vertrauen kann entwickelt werden, was ich ständig tun muss. Ich bleibe dran und erinnere mich an meine Kraft und meine Stärke und daran, dass ich das schaffe. Auch hier bin ich überzeugt, dass dranbleiben extrem wichtig ist.
  • Meine Entscheidung: Bin ich bereit, mich zu entscheiden? Immer wieder? Täglich? Für das gleiche Ziel? Für den nächsten Schritt? Für eine neue Wahl? Für mich? Das ist die eigentliche Entscheidung, an die ich mich ständig erinnern muß. Dient das mir und meiner Gesundung, meinem Weg? Oder lenke ich mich ab. Ich benötige gerade sehr viel Ehrlichkeit dafür.

Zuversicht – Wie ich Zuversicht behielt und mehr fand

2025 erlebte ich gesundheitlich zum zweiten Mal ein Desaster. Die Diagnose Krebs, in meinem Fall ein Lymphom, wurde erneut gestellt. Diesmal schlimmer, da die Auswirkungen in Form einer Beteiligung der Lunge, schon so arg waren, dass ich sozusagen ein akuter Patient wurde. Um Schlimmeres zu verhindern, musste ich mich sofort in eine Behandlung, ins Krankenhaus und auch in eine Chemotherapie gegeben.

Der Schock darüber war riesig. Ich war fassungslos auf der einen Seite, auf der anderen wusste mein System, mein innerer Kompass sofort Bescheid. Über die Ursachen, mein Verhalten, die Auswirkungen und über das, was jetzt absolut notwendig wurde. Ich persönlich war tatsächlich fasziniert davon, wie ein/mein Körpergedächtnis funktioniert. Wie klar ich sofort war über alles, was notwendig wurde.

Die Gespräche mit den Ärzten liefen sehr klar und ehrlich. Ich war tatsächlich schon geübt. Ich konnte abwägen, hatte auch Zeit dafür. Ich konnte ausdrücken, was mich umtreibt, bewegt und wo meine Ängste lagen, sowohl im therapeutischen Kontext als auch im privaten Umfeld.

Diese Gespräche haben mich getragen, um immer wieder innere Stärke aufbauen zu können. Jedes Mal, wenn ich komische Gefühle bekam, konnte ich mich innerlich erinnern, an meine Kraft, an meine Wünsche. Ich hatte das Ziel vor Augen, gesund zu werden, unter allen Umständen. Das war so stark, dass ich mich fast in jeder Minute daran erinnern konnte. Auch Behandlungen, die mir unheimlich waren oder die ich eigentlich ablehnte, konnte ich diesem Ziel unterordnen.

Meine Zuversicht trug mich. Ich wusste, es ist wichtig zu vertrauen, ich tat es. Ich stellte mir vor, dass alles zu meinem Besten geschieht. Wenn ich zweifelte, erinnerte ich mich an mein Ziel. Meine innere Ausrichtung war sehr stark. Ich war von einem Optimismus beseelt, der nichts mit positivem Denken zu tun hatte, sondern mit dem Wunsch zu leben.

Auch in dieser Runde hatte ich eine sehr kritische Situation mit einem fast Atem-und Herzstillstand aufgrund einer massiven allergischen Reaktion meines Körpers. Die Abteilung kämpfte um mein Leben. Für mich war es klar, das ich leben will. Die Entscheidung, die ich getroffen habe, ist sehr stark. Diese Entscheidung ist in meinem Leben einer der wichtigsten Faktoren. Immer wieder. Genauso wie der Gedanke, einverstanden zu sein mit dem, was mir geschieht und was ich erlebe.

Immer wieder ist dies eine Herausforderung, dankbar zu sein. Ehrlich dankbar zu sein, auch wenn es mal wieder schwer ist. Das übe ich täglich, indem ich ein Tagebuch darüber führe. Meine Achtsamkeit wächst und ich achte schon tagsüber darauf, dass ich gerade für ein nettes Lächeln oder eine schöne Begegnung dankbar bin. Das hilft mir bei den herausfordernden Situationen.

Ich weiß, dass ich diese Krise bewältigen kann. Und nein, ich will das nicht in die Rubrik „Ist doch ganz leicht“ einordnen. Es ist nicht leicht. Es ist harte Arbeit, täglich, manchmal minütlich. Es benötigt eine große Disziplin im eigenen Verhalten (z.B. Ernährung, Bewegung, Gesprächsführung) und im Denken (Wie denke ich eigentlich über mich? Wie rede ich mit mir, wenn ich mit mir alleine bin?)

Erneut Freude finden im Leben beschäftigt mich immer wieder. Manchmal muss ich danach regelrecht suchen. Manchmal fällt mir die Freude in den Schoß. Ich suche Gelegenheiten, die mir persönlich Spaß machen, Freude bringen und mir Begeisterung schenken. Nach diesem harten Weg ist das nicht nur verdient, sondern existentiell.

Essenz

Zuversicht fällt nicht vom Himmel . Manche haben sie mit der Muttermilch bekommen. Ich mußte sie lernen. Lerne sie immer noch.

Zuversicht ist für mich ein Ja sagen zum Lebenauch, wenn es gerade richtig schlecht läuft.

Hoffnung auf Heilung hat mich getragen, im Vertrauen, dass ich das schaffe, obwohl ich nicht weiß wie. Genau diese Hoffnung habe ich.

Meine Zuversicht trug mich.Durch die Diagnose, durch die Chemo. Immer wieder JA sagen zum eigenen Leben-das ist die Arbeit.

Innere Stärke ist ein Skill. Sie verlässt mich manchmal. Dann halte ich inne, atme, erinnere mich an meine Kraft. Und mache weiter.

Das Leben ist ein Prozess, wie eine Welle. Auf und ab. Aus der Gestalttherapie begleitet mich ein Satz, der das beschreibt: „Annehmen, was ist“

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