Martina Riedel vor einem Grünen Hintergrund

Nach dem Scheitern meines Ateliers, 2 Unfällen mit Knochenbrüchen, einer Krebserkrankung in 2018 und einer weiteren in 2025 war mir in meinem Leben so gar nicht mehr zum Lachen zumute. Die Erkenntnisse, die kamen, waren mehr als furchterregend. Besonders schlimm war, sich selbst zu erleben, wie stark während dessen und danach eine große Innere Leere alles eingenommen hat: meine Freude, mein körperliches Sein, mein psychisches Erleben, meine Aktivität, meine Beziehungen, meinen Geldbeutel. Die Erkenntnis traf mich mit einer Wucht, die kaum zu ertragen und scheinbar auch nicht zu bewältigen schien.

Und dennoch….. das Leben redet zwar Klartext, aber in einer sehr besonderen, harten, klaren Form. Aber es gibt auch Antworten, wenn ich danach frage. Und Lösungen, die greifbar und machbar sind.

Wie konnte das gut ausgehen? ist eine Frage, die ich mir sehr oft stelle und gestellt habe.

Was habe ich falsch gemacht?

Eine der kritischten und schwierigsten Fragen, die man sich im Leben stellen kann und muß. Und es gibt nicht die EINE Antwort darauf. Zumindest bei mir nicht. Aus meiner Sicht ist es eine Aneinanderreihung von „Fehlern“, die ich gemacht habe. Das Wort Fehler beurteile ich selbst kritisch, aber mir persönlich ist sehr bewusst, dass eine solche ExtremSituation mich haben vergessen lassen, was ich im Grunde schon kann und gelernt habe- nämlich diese Nomenklatur einfach nicht zu benutzen und sie in die Tonne zu treten.

Dazu gehören Entscheidungen, die ich nicht getroffen habe. Ich war lange und immer wieder in einer Art Warteschleife, in der ich gewartet habe: auf die richtige Eingebung, die sich gut anfühlt und die mich zu den richtigen Aktionen führt, auf den guten Impuls, der mich aus dem Wartestand holt und mich voll motiviert, auf den heiligen Geist, der mich führt und wie von Zauberhand alle meine Träume wahr werden läßt.

Dies sind Verzögerungstaktikten, die verschiedene Gründe haben. Nach einer Krebserkrankung, die mit oder ohne Chemo Therapie behandelt wurde, die nicht nur einen großen inneren Schock auslöst und dessen Folgen zu bewerten und vor vor allem zu bewältigen sind. Meine Psyche war, vor allem nach der zweiten Diagnose mit anschließenden 5 Chemo Durchgängen, sehr am Boden.

Die Fragen, die nicht aufhören, sind das Schlimmste

Die eigenen Fragen, die mich dauerhaft begleiteten und immer noch da sind: Was ist falsch gelaufen? Ich weiß doch, dass ich XY nicht mehr essen sollte: warum tue ich es dennoch? Warum habe ich es nicht geändert, mich nicht mehr über Dinge, die mir geschehen, aufzuregen? Und ich tue es dennoch. Warum lasse ich nicht zurück, was mir ganz eindeutig schadet und mich gar nicht fördert oder mir Ruhe geben kann? Warum bleibe ich nicht bei mir und kümmere mich einzig um mein Wohlergehen? Die Entscheidungen, die notwendig sind, habe ich schon wieder nicht getroffen: Warum nicht?

Was geht in mir selber vor, daß ich das nicht schaffe? Die blödeste aller Fragen, die so viel Bewertung enthält, dass ich doch schon gleich gar nicht mehr losgehen konnte.

Die Körperlichen Auswirkungen

Ich weiß nicht, was schlimmer wiegt, die Psyche oder der Körper. Beides hat vermutlich gleiches Gewicht. Aber man kann sich auch vieles denken, wenn der Körper dann nicht mit spielt, wird alles mühsam und schwer.

5 Chemo Therapien haben mich körperlich fast in die Knie gezungen. Sämtliche Funktionen meines Körpers waren anders als sonst, sprich schlechter und nicht mehr zuverlässig. Ich hatte unterwegs eine Notsituation mit einem Kurz-davor Atem- und Herz/Kreislaufstillstand. Das war im wahrsten Sinne atemberaubend. Mein Schlaf war schlecht, meine Kraft fast weg, essen konnte ich nur in kleinen Portionen und aus einer Vernunft heraus. Absurd: Ich bin mit dem Auto zum Park gefahren, um eine Minirunde spazieren zu gehen und wenigstens guten Sauerstoff zu tanken. Als ich das erste Mal in den Park laufen wollte, bin ich gar nicht dorthin gekommen.

Die Chemos haben ca. 3 Monate gedauert. Danach habe ich überlebt und wusste nicht wie.

Warum habe ich so lange nicht darüber gesprochen?

Weil es für mich körperlich kaum möglch war. Die Situation in Worte zu fassen, ist unendlich schwer. Es scheint gar keine Worte zu geben, die in der Lage sind, auszudrücken, was da in mir vorgegangen ist.

Weil da eine Scham ist: daß mir das schon wieder passiert, wo ich mich doch so gut auskenne und das schon erlebt habe und dennoch zu wenig verändert habe. Ist das die Wahrheit? Nö, aber das hat sich festgesetzt bei mir. So ähnliche Bewertungen habe ich in mir und auch vom Außen erhalten. Ja, ich frage mich das Gleiche. Und dennoch bin ich wieder in der Situation. Die eigene Verzweiflung darüber ist riesengroß.

Weil man die Umgebung schonen will. Viele Menschen reagieren auf so eine Diagnose selbst mit Schock und größten Ängsten. Besonders, wenn ein naher Mensch betroffen ist, aber das geschieht auch bei Menschen, die gar nicht so nah sind. Jeder Mensch erkennt dann , wie zerbrechlich das Leben ist und wie nahe der Tod im Prinzip immer ist. Diese Erkenntnis löst viel aus, wie Ängste, Verdrängungen, Bewusst sein über das eigene Leben und über Entscheidungen, der jeder trifft oder eben nicht.

Weil viele Menschen als Gegenüber wenig Offenheit als Gesprächspartner haben. Was ich absolut verstehe und respektiere. Sie trauen sich nicht, zu fragen, etwas zu sagen, alles ist ihnen zu banal. Sie wollen nicht indiskret sein und nicht investigativ, aber auch nicht verletzen. Das daraus resultierende Schweigen ist für mich meist ebenso schlimm gewesen. Insgesamt resultiert daraus eine Stille, denn das Gefühl, mit diesen tiefen, existentiellen Gefühlen nicht gewünscht oer gehört zu werden, wiegt doppelt schwer. Diese Lücke ist für mich kaum mehr zu überbrücken.

Weil die weiteren Fragen so groß sind. Z. B. Wie geht es weiter? Was will ich überhaupt? Schaffe ich, das zu überleben? Oder sollte ich einfach aufgeben? Kann ich überhaupt noch oder wieder? Das Gefühl, vom Leben abgehängt worden zu sein, ist so schmerzhaft und existentiell, dass ich mich gefragt habe, ob ich jemals wieder auf die Füße kommen kann. Zumal ich in einem Alter bin, wo das normale Leben für Menschen schon schwierig ist.

Weil ich die eigene innere Leere schlicht verdrängt und nicht erkannt habe. Auch diese Erkenntnis war mehr als bitter und extrem schmerzhaft.

Der Moment, in dem sich alles drehte

Ich hatte in beiden Erkrankungen einen sehr kritischen Punkt. Beide Male war ich am Rande des Lebens. Eigentlich war ich fast auf der anderen Seite. Durch die Medikamente, eine unbekannte Allergie auf ein Stärkungsmittel, durch die bereits vorhandene eigene Schwäche.

Ich war an einem Punkt, in dem mein Körper nachgab, besser gesagt aufgab. Er konnte nicht mehr, hatte keine Kraft mehr, war einfach am Ende. Ich war wie in einem transzendenten Zustand, in dem ich bereit war, zu sterben. Ganz ohne Probleme, ohne Aufregung, ohne irgengeinen bösen, traurigen Gedanken.

In mir war nur ein Satz: Okay, wenn jetzt meine Zeit um ist, bin ich bereit zu gehen, wenn ich aber einen Einfluß haben sollte auf das, was jetzt geschieht, möchte ich bleiben und leben.

Ich darf leben.

Was hat sich dadurch verändert?

Entscheidungen zu treffen ist für mich zu einem Hauptthema geworden. Ich schiebe nicht mehr auf. Nicht immer geht es sofort, sich zu entscheiden, aber es hat dann ehrliche, bewusste Gründe, die ich bedenke. Es ist nicht nur ein: Ach, ich habe jetzt keine Lust dazu. Ich stelle mich dem. Und ja, manchmal ist es eine weniger gute Entscheidung, aber dieses Geschurbel, das damit einhergeht, habe ich weitesgehend reduziert.

Der Focus auf mich gerichtet. Das ist für mich relativ kritisch. Ich habe mich in meinem Leben viel nach anderen Menchen, meiner Umgebung, den Bedürfnissen von anderen angepasst. Das hatte sicher viele Gründe, die auch in meinem beruflichen Wirken angelegt waren und die mir auch entsprachen. Das hat zur Folge, dass ich auch viel im Außen gelebt habe, mich gerichtet habe nach dem Außen. Das habe ich drastisch korrigiert. Ich sorge für mich, äußere meine Bedürfnisse und kümmere mich um mich. Dabei bleibt genung, das ich dennoch gebe. Ja, manche sagen, das sei egoistisch. Okay. Für mich ist es Selbstliebe.

Mut zu scheitern. Meine Zeit ist endlich und unendlich kostbar. Worauf will ich warten? Dass ich noch mehr Mut habe? Im Grunde habe ich viel Mut. Das Problem ist es, anzufangen und keine Ahnung zu haben, ob es ein Erfolg wird. Oder ob es wieder einmal mehr scheitert. Ich mache gerade einfach und schaue, was geschieht. Und das geht in viele Richtungen in meinem Leben.

Verantwortung übernehmen: Im Kleinen wie im Großen. Ich habe schnell wieder begonnen, zu kochen, einzukaufen, zu organisieren. Ich musste nicht das nicht, ich wollte es. Ebenso für meine Gedanken, Handlungen, Worte, egal was. Alles ist für mich mich und von mir.

Es lohnt sich, ehrlich zu sein und sich einzugestehen, wo ich gerade stehe – Es gibt immer einen Weg

Die Essenz ist für mich, dass es sich in jedem Fall lohnt, ehrlich zu sein. Das ist aber auch eine schwierige, mitunter harte Variante des Lebens. Sich selber in de Tasche zu lügen, mag lustig sein, bringt niemanden weiter. Mein Weg war, eine ehrliche Bilanz zu ziehen, was in meinem Leben wie läuft. Die Erkenntnisse daraus in die Tat umzusetzen , ist dann der nächte, nicht minder schwierige Schritt. Ich gehe diesen Weg bewusst und in kleinen , ehrlichen Schritten. Nicht jeder gelingt super, manche fallen sehr schwer. Ich gehe so weiter, wie es möglich ist.

Ich bin der Meinung, dass sich diese Ehrlichkeit sich selbst gegenüber das größte Geschenk ist, dass sich ein Mensch selber machen kann.

Trau Dich, diesen Schritt zu gehen. In kleinen Portionen, mit Hilfe und Unterstützung

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Demnächst werde ich neue Angebote hier veröffentlich zur Unterstützung bein diesen Prozessen.

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