Foto Abgrenzung Dünen zum Strand, Martina Riedel im Vordergrund

Auf welche Grenze ich stolz bin

Betascht. Wieder.

Ich sage nein. Die Frechheit wird wiederholt.

Ich stehe da, mitten im Gespräch, und spüre ganz genau: Das hier ist meine Grenze. Und sie wird gerade überschritten…..

Kennst du das? Du sagst etwas ganz klar. Und die Person hört es einfach nicht. Oder will es nicht hören.

Heute nehme ich eine weitere Blogparaden-Idee auf, von Vera Wollenweber.

Das Thema ist: Grenzen-Auf welche bin ich stolz?

Dieses Thema hat mich ein Leben lang begleitet. Ich vermute, das wird auch so bleiben.

Über Grenzen

Ich mag die Sichtweise, dass es eine innere und eine äußere Grenze gibt. Natürlich bedingen sich beide und hängen miteinander zusammen.

Die äußere Grenze

Das ist die, über die wir meistens reden, wenn wir benennen, dass wir Grenzen setzen wollen. Zumindest ist das bei mir so gewesen. Jemand latscht permanent über deine Grenze. Wie geht das? Wie geschieht das?

  • Du sagst nein, das möchte ich nicht: stattdessen kommt eine Beurteilung, dass was ich tue, nicht in Ordnung ist
  • Du benennst, dass du verletzt bist von Äußerungen: es wird genauso weiter geredet
  • Du sagst, du möchtest nicht betascht werden: eine weitere Umarmung, die von mir ausdrücklich nicht erwünscht war, geschieht wieder
  • Du gibst Offenheit: die wird bewertet als Schwäche
  • Du gibst Zeit: die Zeit die ich gebe, reicht scheinbar nicht
  • Du gibst Materie: das wird als zu materialistisch bewertet
  • Du gibst Kommunikation: zuhören ist für viele Menschen eher schwierig

Mir ist bewußt, dass die Liste nicht vollständig ist, denn es gibt weitere Grenzen im Arbeitsbereich, im sexuellen Bereich, im digitalen Bereich, in der Familie, etc.

Die innere Grenze

Das ist oft die Grenze, die wir gar nicht so sehr auf dem Schirm haben. Es ist uns nicht bewusst, wie sehr wir unsere eigenen Grenzen eventuell gar nicht kennen und nicht beachten.

  • Meine Werte sind meine Werte. Ich kenne und definiere sie. Für mich, bevor ich sie nach außen gebe. Ich weiß, wofür ich stehe.
  • Meine Person ist sichtbar oder auch nicht. Wie zeige ich mich?
  • Meine Bedürfnisse gehören zu mir. Nur ich weiß, was ich brauche, wann und womit es mir gut geht. Diese Bedürfnisse dürfen mir klarer werden im Laufe meines Lebens, können sich ändern oder auch angepasst werden an die jeweilige Situation.
  • Meine Gefühle sind wertvoll und wichtig. Ich fühle sie, in mir. Sie sind ein Teil von mir. Egal, ob sie gerade negativ oder positiv sind. Ich kann sie ausdrücken, wenn ich das denn kann. Ich nehme sie ernst. Natürlich in es meine Verantwortung, zu sehen, woher sie kommen.
  • Meine Entscheidungen sind für mich entscheidend. Ja, sie betreffen mein Umfeld. Ich darf sie absprechen, diskutieren, ändern, über den Haufen werfen, neu treffen. Dennoch entscheide ich in letzter Instanz für mich.
  • Meine Verantwortung ist allein in meiner Kompetenz und Verantwortung.

Auch hier ist mir bewusst, dass es noch mehr innere Grenzen gibt. Wie z.B. Gedanken, Verantwortung.

Meine äußeren Grenzen

Nein ist ein ganzer Satz

Nein sagen hat für mich etwas Ultimatives, Ausschließliches. Es klingt so BÄMMM, fühlt sich verletztend an, schließt aus und trennt. Mit diesen Argumenten bin ich oft konfrontiert worden und habe sie verinnerlicht. So lange, dass ich geglaubt habe, Nein wäre ein schädliches Wort.

Das ist es tatsächlich: insofern, dass es mir schadet, wenn ich das Wort NICHT sage. Ich merke, wie ich selbst auf der Strecke bleibe, allzeit verfügbar bin, dennoch weder wahrgenommen noch gesehen oder ernstgenommen werde. Das fühlte sich viele Jahre normal an. Weil ich es nicht anders kannte.

Das hat sich grundlegend verändert. Ich sage nein zu Verabredungen, zu Meinungen, die ich nicht teile, zu Gesprächen, die keinen Sinn ergeben. Ich sage nein dazu, betascht zu werden und gehe aus der Situation, zu Terminen, die mich nerven oder nicht interessieren, zu Ansprüchen, die ich gar nicht erfüllen will, auch wenn ich das leicht könnte.

Geben ist seliger denn nehmen

Ein großer Irrtum in meinem Leben. Ich bin ein Geber und ich mag das gerne. Es entspricht meinem Naturell. Ich gebe Zeit, Offenheit, verleihe manchmal Geld, gebe Materie, stelle Persönliches zur Verfügung, Geschenke. Das alles mache ich aus großer Überzeugung.

Meine Freunde wissen das zu schätzen. Sie sehen die Großzügigkeit darin. Und geben oft selber gerne , wovon ich natürlich profitiere. Und manchmal bleibe ich dafür auf der Strecke. Dabei bin ich nicht der Aufrechner. Ich muss nicht immer einen Ausgleich haben, die Anerkennung dafür, oder etwas Anderes dafür bekommen. Mein Gefühl ist, dass sich Dinge ausgleichen im Leben.

Was aber, wenn Du gibst und gibst und auf der Strecke bleibst. In einer Beziehung, in einer Freundschaft, in einem Arbeitsverhältnis. Das eine ist die Anerkennung für das Geben. Die ist wichtig, aber für mich nicht so entscheidend.

Mir persönlich ist wichtiger, gibt der Gegenüber sich? Bringt die Person sich ein? In Wort und Tat. Dahinter steht ein Wunsch nach Kontakt, der in meiner Welt entscheidend ist, wie eine Beziehung sich gestaltet.

Geben macht selig. Ja, das sehe ich. Aber geben ohne Antwort, ohne Anerkennung, ohne Kontakt, ist auf Dauer auszehrend und führt in eine Art Burnout. Der Eindruck entsteht, dass das Gegebene zur Selbstverständlichkeit mutiert. Das macht keinen Spaß und darf beendet werden. Zumindest bei mir.

Ich entscheide sehr genau, wieviel , wann und wem ich gebe.

Worte verbinden und trennen

Kommunikation ist für uns alle wichtig. Ich persönlich rede gerne und kann mich auch gut ausdrücken. Für manche Menschen rede ich zu viel und wiederhole mich zu oft.

Dem gegenüber erkenne ich, dass es viele Menschen sind, die wenig sagen bis gar nichts, schon gar nicht über sich, oberflächliche Themen haben, die auch nicht wirklich zuhören wollen. Das ist nicht zu bewerten, denn jeder entscheidet für sich.

Und dennoch bleibt bei mir die Frage, ob das mein Bedürfniss nach Kontakt und Austausch matcht, ob es eine gemeinsame Basis gibt, die erweitert werden kann, ob es eine Weiterentwicklung durch und für die Beziehung gibt.

Wenn ein innerer Kontakt nicht zustande kommt, erkenne ich das an und gehe in einen eher oberflächlichen Kontakt. Wenn es nicht in meiner Macht ist, das zu ändern, was ja meist so ist, reduziere ich mein Engagement.

Meine inneren Grenzen

Meine Werte, Gefühle, Bedürfnisse

Werte beschäftigen mich mein ganzes Leben und tun es auch weiter. Werte sind nicht verhandelbar, aber sie können sich ändern und anpassen. Auch stelle ich mir manchmal die Frage, ob das denn überhaupt mein Wert ist oder ob ich den von außen übernommen habe.

Gefühle habe ich nun mal. Manchmal zu viele, zu intensive,zu große. Ja, so ist das. Was mache ich nun damit? Gelernt habe ich als Kind, dass es dauerndes zu viel ist. Für andere Menschen. Das verstehe ich. Und nun? Nach jahrelanger, innerer Arbeit liebe ich meine Gefühle, habe sie und mag sie von Herzen.

Bedürfnisse haben einen ähnlich Stellenwert. Kenne ich meine? Sind das wirklich meine? Oder glaube ich nur daran, weil mir die von jemandem vorgelebt werden? Diesen Fragen darf jeder auf den Grund gehen.

Auch hier gilt für mich, dass ich meine Bedürfnisse anpassen kann an meine persönliche Lebensituation oder auch an meine Tagesform.

Ich lebe das, was in mir ist. Das hat gute Seiten und schlechte bzw. weniger gute. Das verstehe ich. Ich mute mich zu, meiner Umgebung. Manches kann ich bearbeiten, auch mal anpassen. Aber unterdrücken geht nicht mehr.

Entscheidungen treffen

„Zwei Seelen wohnen, ach in meiner Brust.“(Goethe) Die eine entscheidet gerne sofort, spontan, aus dem Affekt. Leider sind das häufig die weniger guten Entscheidungen gewesen in meinem Leben. Manche waren toll, aber viele waren einfach in eine falsche Richtung gedacht. Die andere Seite ist abwarten. Ja, ich warte viel häufiger, um aus dem o.g. zu lernen. Manchmal warte ich dann leider zu lange. Wenn es eigentlich schon entschieden ist und ich doch weiß, warte ich immer noch.

Wie das genau geht, tja, mein Human Design sagt es mir. Ich bin Generator und d.h. dass ich prüfen muss, ob ich wirklich Energie dafür zur Verfügung habe. Ich bin emotional definiert und muss unbedingt abwarten, eine Nacht drüber schlafen. Und dann entscheide ich.

Meine so getroffenen Entscheidungen fühlen sich nicht nur richtig an, sondern sind von Erfolg gekrönt. Und ja, ich entscheide. Und ich nehme Rücksicht und spreche ab, wo das notwendig ist. Denn nicht immer kann einfach so entschieden werden. Und dennoch: Auch, wenn ich nicht entscheide, ist das eine Entscheidung.

Verantwortung übernehmen

Wenn ich erwachsen bin, trage ich die Verantwortung für mich. Niemand anders. Keine Eltern, Partner/Partnerin, Kinder, Freunde, Arbeitgeber, Umgebung.

Übernehme ich die Verantwortung für das, was ich sage, denke, wie ich jetzt handle? Oder dafür, wie ich mit einer Situation umgehe und was ich dazu beitrage? Ist mir bewusst, welcher Teil davon zu mir gehört? Ist es mir überhaupt bewusst? Kann ich damit umgehen? Und welche Folgen hat das für mein Leben und für mich?

Diese Grenze findet in meinem Inneren statt.

Und ja, es gibt persönliche Geschichten, Traumata, Erlebnisse, für die ein Mensch nicht die Verantwortung trägt, für die ein Kind nie ja gesagt hat, die aufgezwungen wurden, die übernommen wurden, ohne das beurteilen zu können. Das ist keine Schuld oder irgendwas in dieser Art. Das benötigt eine professionelle Begleitung.

Meine Essenz

Ich unterscheide hier zwischen inneren und äußeren Grenzen. Die Übergänge sind zum Teil fließend und nicht klar von einander abzugrenzen. Es gäbe viel mehr Grenzen. Das ist nur ein Teil der möglichen Grenzen.

Ich habe lernen müssen, in teilweise sehr schmerzhaften Prozessen, dass meine schlimmsten und effektivsten Grenzen die sind, die mich im Inneren bewegen.

  • Meine Werte und Bedürfnisse, die ich gar nicht kannte. Und als ich sie benennen konnte, habe ich allein sie ignoriert.
  • Meine Gefühle gehören zu mir und sind wichtig.
  • Mich nicht zu entscheiden, ist eine Entscheidung. Abwarten bedeutet aussitzen. Nicht immer, aber kann ich das erkennen und stelle ich mich dieser Tatsache?
  • Wenn ich keine Verantwortung übernehme, bewege ich mich permanent im Außen. Da sind die Anderen Schuld, ich habe ja nichts damit zu tun. D.h. ich gebe meine Verantwortung ab. An das Außen. Ich kann das vermutlich nicht ändern, aber ich bin in der Lage, darauf neu und auf meine Weise zu reagieren, damit es mir dient.
  • Meine Kommunikation ist oft nicht so schlecht und machmal furchtbar. Das, was mich beeindruckt, ist meine eigene Kommunikation mit mir. Manchmal ist sie vernichtend. Manchmal weiß ich innerlich und höre mir dennoch nicht zu.
  • Wie gehe ich mit meinem Nein um? Gehe ich nach einem nein? Oder bleibe ich dennoch? Aus welchem Grunde auch immer. Weil ich zu höflich bin? Oder mich nicht nicht konfrontieren will?

Das Thema ist sehr komplex und hoch spannend. Ich lerne da täglich neue Seiten von mir kennen.

Ohne Grenzen funktioniert mein Leben nicht.

Und trotzdem: Ich fühle eine große Verbundenheit mit allem, das ist. Grenzen trennen mich nicht ab. Sie zeigen mir erst, wo ich anfange.

Und du? Auf welche Grenze bist du stolz? Wo hältst du sie – und wo lässt du sie dir noch nehmen?

Ich freue mich auf einen Austausch mit dir. Und auf die anderen Beiträge zur Blogparade von Vera Wollenweber.

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