Verlust, Liebe, Aufbruch

Im Rahmen von Blogparaden nehme ich oft an den Themen anderer Teilnehmer teil. Gabi Kremeskötters aktuelles Thema hat mich besonders inspiriert, denn das Thema beschäftigt mich mein ganzes Leben lang: Verlust, Liebe, Aufbruch. In dieser Reihenfolge. Nicht, weil ich es korrigieren möchte, sondern weil es sich für mich so anfühlt.

Verlust…

Schon früh hatte ich in meinem Leben Verluste zu beklagen.

Das ging schon bei meiner Geburt los, als ich im Brutkasten war. Da war definitiv ein Verlust vorhanden: die Nähe zu meinen Eltern und Familie. Das prägt. Auch wenn noch kein Bewusstsein dafür da ist.

Als Kinder hatten wir Haustiere: Vögel, Meerschweinchen, Schildkröten, einen Hund. Meine Eltern waren da sehr großzügig, uns das zu ermöglichen. Wie das so als Kind ist, war das ein tolles Erlebnis, sie zu versorgen, zu streicheln, zu spielen, mit ihnen zu sein.

Ich erinnere mich an die Verluste sehr genau: der Vogel, den ich täglich streichelte, lag plötzlich tot auf dem Rücken. Oder die Schildkröte einfach verschwand. Und der Hund starb, weil er von einem Auto angefahren wurde. Diese Verluste belasteten mich sehr. Die kleinen Wesen, die ihr Leben mit mir und der Familie verbracht haben, waren herzlich willkommen und sehr geliebt.

Doch nicht nur Tiere prägten meine Erfahrungen in Bezug auf Verlust.

Auch war ich früh konfrontiert mit dem Verlust von lieben Menschen bzw. Freunden. Christian, Michael, Otto sind schon als junge Menschen gegangen in eine andere Welt, zum größten Leidwesen der Familien, aber auch der Freunde, zu denen ich gehörte. Die Fragen, die daraus entstanden, wurden nie beantwortet.

Der Verlust von Werten, selbst wenn sie nicht die eigenen waren, schmerzt dennoch. Da geht es um Integrität, wenn der Professor die Arbeit schlecht macht, um Loyalität, wenn die Freundschaft auseinander bricht oder die Beziehung, die endet, weil es doch leider nicht passt

Aber auch der Verlust von materiellen Dingen, wie ein Schmuckstück, das weg war, ein Kleid, das nicht mehr passte, aber eben das Lieblingskleid war, das geklaute Fahrrad – das alt, aber noch gut war. Manchmal war das schwierig, das auszuhalten.

…Und dann?

Verlust ist ein schwieriges Thema. Einen geliebten Menschen zu verlieren ist der Alptraum schlechthin. Aber auch die anderen Beispiele können traumatisch sein. Je nachdem, wo die Person gerade steht. Verluste, die für den einen nichts bedeuten, sind für die andere Person sehr schlimm.

Wer will das beurteilen?

Ein Ereignis dieser Art hinterlässt immer eine Leere, tief im Inneren. Die schmerzt. Den meisten Menschen ist es auch bewusst, weil ja jemand/etwas nicht mehr da ist und fehlt. Dann vergeht die Zeit und nein, die Zeit heilt nicht alle Wunden. Der Umgang damit verändert sich. Die einen sind der Meinung: jetzt muß es doch mal gut sein, sprich: du musst dich doch dran gewöhnt haben. Oder? Wie lange willst du denn noch festhalten? Es muss doch mal gut sein mit dem Betrauern des Verlustes?

Kann das jemand beurteilen?

Wird zu …

Schwere Ereignisse und Verluste sind einfach da und nicht weg zu diskutieren. Meine Frage ist: was wird daraus? Wie kann ich umgehen damit? Welche Folgen hat das für mein Leben und mein Befinden? Ich könnte noch viel mehr Fragen dazu stellen. Jeder hat seine eigene Meinung und Geschichte dazu.

Mein grundlegendes Lebensgefühl hat etwas mit Liebe zu tun, was ich sehr schätze. Nach Verlusten wird das bei mir stärker und stärker. Ich persönlich merke, dass ich eine Entscheidung treffen muss: für mich und mein Leben oder gegen mich und mein Leben. Alles dazwischen ist natürlich möglich, hat aber für mich etwa mit dümpeln zu tun. Das möchte ich nicht werten, denn ich kenne diesen Zustand aus eigenem Erleben. Der Verlust ist da und kann nicht ausgesessen werden. Dem hilft es aber auch nicht, sich vor dem Leben weg zu ducken.

… Liebe

Ich erlebe da immer wieder etwas wie einen inneren Ruf, der mich auffordert, mich zu besinnen. Auf mich, auf das, was mich ausmacht, was schön ist in meinem Leben und was ich denn möchte. Mich in den Vordergrund stellen, denn ich lebe ja. Und ich darf nicht nur überleben, sondern mein Leben neu gestalten. Ich fühle mich aufgefordert und ermuntert, eine Entscheidung zu treffen. Für mein Leben, für eine Liebe, die zunächst Selbstliebe sein wird.

Vermutlich werde ich am Anfang winzige Entscheidungen treffen, die mir sehr schwer fallen. Danach könnten die ersten größeren, wichtigeren Entscheidungen fallen, die die nötig oder auch einfach sinnlich sind. Es wird Rückschläge geben, in denen ich so weit entfernt bin von Liebe oder Selbstliebe, dass es selbst mich erschreckt. Das darf sein und kann ich als normal einordnen. Und dann kommt eine leichtere Zeit, die mich erkennen lässt, wie wertvoll ich bin und mein Leben.

Die innere Leere bleibt und wird doch langsam weniger. Sie füllt sich auf. In kleinen, winzigen Schritten, die wie Baby Steps sind: nicht linear, sondern in Wellen, die Höhen und Tiefen haben. Das wird auch so bleiben. Wie lange? Wer weiß das schon? Wer kann das voraussagen? Niemand. Die Versuche und die Entwicklungsschritte zählen.

Führt zu …

So klein die Schritte sind, führen sie zu einem winzigen Erfolg nach dem anderen. Zu einem ersten lauten Lachen, einem neuen Kleid, das plötzlich so viel Spaß macht, einen fröhlichen Abend mit der besten Freundin. Es sind Schritte in eine andere Richtung, die unbekannt ist, die eventuell Angst macht. Auf jeden Fall ist alles daran neu und aufregend.

… Aufbruch

Der erste Schritt fühlt sich an, wie ein Sprung ins eiskalte Wasser. Aber das Wasser trägt. Es benötigt so viel Mut, sich dem zu stellen. Täglich, wieder und wieder. Und nein, es wird nicht immer von Erfolg gekrönt sein. Und ja, jeder Schritt zählt als Aufbruch in eine neue Zeit. Das eigene Körpersystem kennt es noch nicht so gut, wird aber mitgehen und sich dem stellen. Es wird leicht gehen und schwer sein. Und es lohnt sich.

Eine neue Frisur, ein Urlaubstag an einem schönen Ort, die Möbel umstellen, einen Anruf planen, der längst überfällig ist. Ach, es gibt so viele kleine und große Möglichkeiten, sich voran zu bewegen und einen Aufbruch zu wagen.

Mit der Zeit summieren sich die kleinen Erlebnisse und werden ein neues Muster und ein neues Lebensgefühl. Die Leere beginnt zu schwinden. Körper, Geist und Seele gehen wieder voran. Zaghaft und mutig zugleich. Der Aufbruch ist geschafft und motiviert, weiter zu machen.

Die Essenz

Verluste sind schwer. Die Herausforderung kann überwältigend sein.

Doch ihnen mit Liebe zu begegnen und sich selbst Liebe zu schenken, ist das größte Geschenk.

Ein Aufbruch durchbricht Altes und belebt Neues. Er erfordert Mut.

Aber sich dem Leben hinzugeben lohnt sich immer.

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2 Kommentare

  1. Liebe Martina,
    ach, jeden deiner Gedankenschritte kann ich nur zustimmen.
    Ich danke dir sehr für deinen Beitrag, in dem du sehr persönliches teilst und auch das ist ja eine Art Aufbruch: hin zum sich selbst besser Verstehen und auch Verstandenwerden durch andere.
    Deinen letzten Satz nehme ich ganz besonders für mich mit „… sich dem Leben hinzugeben lohnt sich immer.“
    Ich freue mich auf unseren weiteren Austausch, wir sind verbunden und bleiben das.
    Herzliche Grüße
    Gabi

    1. Liebe Gabi,
      herzlichen Dank für Deine Wertschätzung. Ich freue mich sehr.
      Danke für die Inspiration. Tolles Thema.
      Ja,ich freue mich auch auf unseren Austausch. Immer wieder macht es Freude.
      Herzliche Grüße Martina

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