Offene Mülltonne: lauter Worte= Ratschläge, die um die Tonne schwirren. Sie gehören alle in die Tonne. Text: ratschläge für die Tonne.

Ratschläge für die Tonne – Du musst Ziele haben, von wegen: Ich habe eine Vision

Wie viele Ratschläge haben wir alle bekommen: gut gemeint, nicht gefragt, überflüssig wie ein Kropf, du musst…, du solltest…, du darfst nicht… .

Antonia Ludwig`s Blogparade „Ratschläge für die Tonne“ eignet sich gut, um darüber nachzudenken: Wem oder Was folge ich eigentlich? Will ich das? Tut mir das gut? Oder ist es für die Tonne?

Schon Mitte der 1990er Jahre habe ich angefangen, mich mit Persönlichkeitsentwicklung zu beschäftigen. Einer der ersten „Gurus“, den ich kennen lernte, war Eric Berne. Der Begründer der Transaktionsanalyse, der das Buch „Spiele der Erwachsenen“ schrieb. EIn sehr interessanter Mann .

Was mir daraus geblieben ist, ist eine seiner Aussagen: “ Ratschläge sind auch Schläge.“

Ratschläge zu erteilen, ist nicht gut. Ich bekenne mich schuldig, denn ich war jahrelang in dieser Falle. Ich gab Ratschläge, auch heute immer mal wieder. Jedes Mal bleibt mir selbst ein schales Gefühl.

Und ich wollte auch Ratschläge, eigentlich nicht, aber ich habe auch nicht nein gesagt. Aber vielleicht doch.

Eine Szene aus meinem Leben

Ich hatte mal wieder keinen Erfolg mit einer Aktion gehabt. Viel Aufwand und Energie reingebuttert, klare Ansagen gemacht, klare Ziele formuliert(wie ich dachte), hat wenig / viel Geld gekostet, alles gelöst, was zu lösen war. Und dennoch. Nix. Keinen Erfolg gehabt. Keinen Kunden generiert. Kein Geld verdient.

Diese und ähnliche Szenen sind mir mehrfach geschehen.

Das war schon arg, aber dann kamen die Ratschläge: Dann sind deine Ziele nicht stark genug, bist nicht genug ausgerichtet, hast nicht gut geplant, wusstest nicht genau, was du wolltest, hast das Wichtigste übersehen, das?????? Du musst XY tun, sonst wird das nichts. Du solltest bessere Ziele haben.

Ratschläge für die Tonne.

Warum Ratschläge ein No-Go sind

Natürlich ist gut, was zu sagen. Dem Gegenüber. Die Frage ist, wie, was und mit welcher Intention.

Vorschläge machen : ist für mich vollkommen okay.

Wie wäre es, zu fragen, ob der Gegenüber was hören will?

Ich gehe dazu über, eine eigene Situation, die vergleichbar ist, zu schildern. Die eine mögliche Lösung in sich birgt oder durch einen Satz erkennen lässt, was ein Grund sein könnte. Den Satz erkenne nicht ich, sondern eventuell der Andere. Es ist ein Angebot.

Reflektieren der eigenen Situation macht auch Sinn. Dadurch kommen meist eigene Erkenntnisse, die viel wertvoller sind.

Ratschläge sind ein No-Go, abgesehen davon, dass die Person, die gerade gescheitert ist, sowieso nichts annehmen kann.

Niemand kann echt beurteilen, was für eine andere Person richtig oder falsch ist, in welchem Zustand die Person steckt und ob sie überhaupt offen ist.

Die eigene Verstrickung

Wer mag denn schon selbst gerne Ratschläge bekommen? Niemand. Ich auch nicht. Und dennoch tappe ich in die Falle. Weil ich helfen will, es von aussen scheinbar sehe, denke, ich wisse es besser, beweisen will, dass ich das schon gelernt habe.

Mir geht es nicht gut, wenn ich Ratschläge bekomme. Zumindest die ungefragten, die mich gar nicht im Blick haben, die über mich drüber bügeln, die besserwisserisch sind, die meine Person in Frage stellen, die auch nur zeigen wollen, dass sie das Problem schon verstanden haben.

Die Aufgabe ist schlicht: Keine Ratschläge erteilen.

Ziele. Ziele. Ziele.

Ein omnipräsenter Ratschlag in der Coaching Szene. Und ja, Ziele zu haben ist wunderbar und macht für viele Menschen richtig Sinn.

Jeder Post auf Social Media fordert Ziele.

Jedes Freebie ist darauf aufgebaut, Ziele zu formulieren, um dafür einzustehen.

Jeder Coach behauptet, dass du ohne Ziele versagen wirst.

Alles schön und gut. Aber eben nicht für jeden.

Vision statt Ziele

Wie zu hören ist, kämpfe ich mit diesem Thema, schon viele Jahre. Und scheitere immer wieder an diesen Ansprüchen, die von außen kommen und die ich angenommen habe, um sie mir selbst aufzuerlegen. Von denen ich lange geglaubt habe, dass ich mich nur anstrengen muss und endlich die Disziplin aufbringen sollte, um dann endlich Ziele zu erreichen. Also, alles mein Fehler.

Meine Erlösung für dieses Thema hat mir die Beschäftigung mit dem Human Design System gebracht.(Ich möchte hier nicht im Detail auf dieses System eingehen. Bitte recherchieren, denn da gibt es viel zu finden, um sich zu informieren.)

In meinem Design habe ich ein offenes Ego Zentrum/Herz Zentrum. Dies besagt, dass ich keine feste Willenskraft habe. Ich bin nicht dafür gemacht, Ziele zu haben und zu erreichen. Ich darf nichts zusagen, was ich nicht halten könnte. Ich kann nichts versprechen. Mein Wert hängt nicht von einer Zuverlässigkeit ab. Ja sagen aus Verpflichtung wird die Ziele zum Scheitern bringen. Genau wie das Gefühl, DAS MUSS ich jetzt erledigen. Es könnte klappen, aber es ist unsicher und ist maßlos anstregend. Meinen Willen einzusetzen bedeutet, ich werde scheitern.

Meine Aufgabe ist es, eine Vision zu entwickeln. Für mich, für mein Leben, für eine Situation. Wofür gehe und stehe ich, was der große Überblick auf das, was es zu tun gilt. Ich handle dann aus meinem Motor. Wenn der anspringt, habe ich viel Energie zur Verfügung und kann Schritte zu meiner Vision gehen. Diese kann sich ändern, ständig, je nachdem, was es gerade benötigt. Die Vision breche ich runter auf kleine Schritte, die komplett flexibel sind.

Diese Erkenntnisse haben mir den Druck genommen und für mehr Freude gesorgt. Meine Offenheit und Flexibilität ist eine Gabe und kein permanentes Fehlverhalten. Was ich möchte und mir wünsche ist kein starres Ziel, sondern ein Fluß dessen, was sich zeigt in meinem Leben. Das passe ich flexibel an, wandle es nach meinen Bedürfnissen.

Ein Beispiel aus meinem aktuellen Leben zeigt das. Nach einem Jahr, das durch Krankheit geprägt war, ist meine Vision gesund zu werden. Das ist der übergeordnete, breitere Wunsch. Dazu gehören viele Punkte, wie die Ernährung prüfen, Bewegung verstärken, um mehr Muskeln aufzubauen, Denkmuster überprüfen und ändern, Offenheit für mehr Veränderungen zu haben. Das, was ich heute verändere, kann ich in einigen Wochen wieder ändern. Das ist normal.

Die Essenz

Jeder Ratschlag gehört in die Tonne, es sei denn, ich habe darum gebeten.

Meine Vision trägt mich – Ein übergeordneter Wunsch.

Was macht es mit dir, Ratschläge zu erhalten oder zu geben?

Hast du ähnliche Gefühle dabei, die dir ein seltsames Gefühl geben?

Hinterlasse gerne einen Kommentar.

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