Still sein ist was für Anfänger

Eine provokante These: Stille auszuhalten ist nicht so leicht. STILL sein ist für viele Menschen ein Problem. Warum ist das so? Weil Jeder was zu sagen hat. Weil Jeder gehört werden möchte. Weil Jeder dabei sein möchte. Weil Jeder eine Stimme hat, die es lohnt, gehört zu werden.

Stille ist heute etwas, das kaum möglich zu sein scheint. In einer hektischen Welt, die uns dauerhaft berieselt und wir uns berieseln(lassen), mit Geräuschen, Musik von morgens bis abends, zu jeder Gelegenheit und an jedem Ort. Auch das ist eine ständige Beschäftigung mit Lärm und Außengeräuschen, die zum Stressfaktor werden können.

Da wird es zum Abenteuer still zu werden, auch im Inneren wird es schwierig, denn die dauerhafte Lautstärke findet auch in uns selber statt.

Stille – Was ist das?

Bei wirklicher Stille gibt es wenig bzw. keine Geräusche oder Töne. Für mich ist es aber ebenso eine Abwesenheit von Worten. Das bedeutet eher etwas wie Schweigen, nicht reden, nicht singen, keine Töne von sich geben, sich nicht bewegen.

Warum gehen wir in die Stille?

Still sein gibt ein Gefühl der Ruhe und Besinnung, in der ein Mensch zu sich finden kann. Ohne im Außen sein zu müssen. Ohne eine Reaktion auf das Außen zu haben. Nur auf sich konzenztriert zu sein bedeutet meistens eine Art Einkehr und Muße, in der auch die eigenen Gedanken Ruhe finden und sich besänftigen können. Manchmal ist der Zustand wie in einer Meditation, in der auch der Versuch da ist, die eigene Unruhe und den inneren Stress reduzieren zu können.

Still sein aus Zurückhaltung

Manchmal sind Menschen still, weil sie nichts sagen möchten oder können. Vielleicht haben sie nichts zum Thema beizutragen oder kennen sich schlicht nicht aus. Vielleicht gibt es eine bunte Mischung aus diversen Meinungen, die auf den Tisch gepackt werden. Das könnte laut und heftig sein. Jemand, der eher schüchtern ist, fühlt sich da nicht eingeladen oder ist nicht mutig genug.

Stille aus Angst und Unsicherheit

EIne Person ist neu in einer Gruppe, will nicht auffallen, sprich negativ auffallen und bleibt dadurch eher ruhiger und übt sich in Stille. Oder aus einem gegenteiligen Grund, nämlich um nicht anzuecken, da diese Person eine ganz andere Meinung hat als die Redenden. Das bedeutet, sich nicht offen zeigen zu wollen, um nicht in irgendeine Ecke gestellt zu werden

Wir trauen uns nicht, zu sagen, was wir denken. Es könnte uns schaden. Die Motivation dazu könnte sein, dass wir still sind, weil wir gefallen wollen. Es scheint besser zu sein, unter dem Radar zu bleiben und brav zu sein, nichts zu hinterfragen, sich nicht zu empören oder nicht durch Unsicherheit aufzufallen.

Stille als eine eigene Entscheidung

Stille hat für mich noch einen anderen Aspekt, der mir sehr wichtig ist. Er bedeutet, dass ich, wenn ich still bin, viel mehr höre und viel besser zuhöre. Ich bekomme mehr mit von anderen Menschen und den Gesprächen. Ich bin viel konzentrierter dabei, als wenn ich mir überlege, was selbst dazu sagen möchte. In diesen Momenten stelle ich fest, dass ich mein Gegenüber nicht höre. Und somit auch nicht wirklich mitbekomme, was gesprochen wird.

Zuhören ist ein Geschenk, für beide Gesprächspartner. Ich mag es so gerne. Wenn ich zuhöre, fühle ich mich verbunden mit der Person, bin bei ihr und erlebe einen Menschen ,ein Gespräch und eine Erzählung. Wenn mir jemand zuhört, erlebe ich eine Wertschätzung, die meist nicht nur groß ist, sondern wohlwollend und zugewandt ist. Ich fühle mich wirklich gesehen und gehört und gebe das auch der anderen Person. Für mich ist das ein Geschenk.

Stille – Was ist sie noch?

Angst vor Ablehnung

Die Angst, mit der eigenen Meinung doof da zu stehen, ist manchmal groß. Zu oft wurden wir als Kinder ausgelacht oder einfach nich ernst genommen, wenn wir etwas gesagt haben. Das sitzt und prägt. Ich kenne die Meinung der Generation meiner Eltern, die besagte, dass man Kinder sehen darf, aber nicht hören sollte.

Geprägt von dieser Erziehung oder solchen Erlebnissen haben Menschen schlicht Angst, zu reden.

Angst, sich in den Vordergrund zu stellen

Auch dies ist immer noch verbreitet. Bevor jemand mit der Meinung die gewünschte und beliebte Harmonie stört, passt er sich lieber an und lässt den Anderen den Vortritt. So bleibt alles, wie es war, der Frieden ist nicht gestört und alle sind zufrieden, dass es mal wieder gut ausgegangen ist.

Daraus resultiert eine Anpassung an die geforderten Gegebenheiten, die Person hat anderen den Vordergrund gelassen. Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse sind in den Hintergrund geschoben worden, die Anpassung ist perfekt und die Harmonie ist hergestellt.

Angst, authentisch zu sein

Dann müssten wir unsere Stimme erheben und die Stille aufgeben. Unsere Meinung mit Gewichtung zu vertreten, braucht Mut und auch Unerschrockenheit. Das macht auch Angst, nicht nur, weil das heisst, anzuecken, sondern auch bedeutet, in eine Konfrontation zu gehen und darin für sich einzustehen. Es heisst, unterschiedliche Meinungen zu hören und zuzulassen und eventuell einen Konsens zu finden oder auch nicht.

Stille ade

Wenn wir aufhören, diese Art der Stille zu führen, werden wir unser blaues Wunder erleben. Die Perspektiven unseres Lebens ändern sich drastisch. Das fühlt sich nicht immer gut oder leicht an. M.E. ist es immer ein Gewinn für die Persönlickeit.

Wir sind authentisch

Es wird möglich, sich mitzuteilen. Auszusprechen, was mich wirklich bewegt, wie es mir ehrlich geht, ist ein Geschenk für alle. Nur so können wir einander erfahren, kennenlernen und erleben. Vielleicht gefällt dem Anderen meine Meinung nicht, aber er kann sie respektieren, damit umgehen und sie zulassen. Daraus entsteht Ehrlickeit und Tiefe, die zu mehr Nähe führt und zu einem besonderen Kennenlernen.

Wir setzen Grenzen

Ich überwinde die Ängste und benenne, was ich fühle und denke. Das muss nicht jedem gefallen. Werde ich attackiert, erlaube ich mir, eine deutliche Grenze zu setzen und um Respekt zu bitten. Ich kann Aufmerksamkeit fordern, die in einem Gespräch eigentlich da sein sollte. Das bringt eine neue Qualität ns das eigene Leben und in ein Miteinander.

Wir werden sichtbar

Wenn wir uns nicht fürchten und den eigenen Ängsten nicht mehr nachgeben, zeigen wir und mit allem, was und ausmacht. Natürlich sind das unsere guten Schokoladenseiten, aber eben auch unsere nicht so leckeren Schattenseiten. Wir zeigen uns als Mensch, mit all unseren Fähigkeiten und Unfähigkeiten. Das ist sehr ehrlich. Es macht aber auch verletzlich. Das scheuen m.E. viele Menschen. Verletzlichkeit wird häufig noch als Schwäche angesehen.

Manchmal erlebe ich persönlich auch, dass dies als Waffe gegen mich eingesetzt wird, was sehr unangenehm und natürlich fragwürdig anzusehen ist.

Neustart mit 60+

Unsere Träume

Wir haben lange funktioniert, manchmal haben wir geschwiegen und einfach erledigt, was zu erledigen war. Ohne zu jammern oder zu klagen. Was in meinem Leben zwar oft lästig war, aber oft auch kein Drama. Die Dinge mussten einfach gemacht werden und gehörten zum Job, zur Selbstständigkeit dazu. Das wurde zu einer Gewohnheit, die ich persönlich auch nicht mehr angezweifelt habe. Ich habe das hingenommen.

Heute ist mir wichtig, zu erkennen, welche Träume ich noch habe. Was wünsche ich mir tief in meinem Herzen? Was wünscht du dir tief in deinem Herzen? Soll es ein beruflicher Neuanfang sein? Oder eine Reise um die Welt? Ein kleines Häuschen mit Garten? Oder endlich nur eine Etagenwohnung? Was ist es, was ich mir wirklich wünsche?

JETZT ist die Zeit und Gelegenheit dafür, um darüber nachzudenken. Und erste eigene Schritte zu gehen.

Unsere Meinung

Wem wollen wir immer noch gefallen, wenn wir uns zurückhalten mit dem, was wir denken? Suchen wir noch die Anerkennung, die wir als Kind nicht hatten oder die Zustimmung im Außen? Wann werden wir sagen, was wir denken und warum wir das denken? Und das ohne ein schlechtes Gewisen zu haben?

Was, wenn wir auf unser Herz hören und nicht auf das, was die Nachbarn finden oder Freunde, die zwar wohlwollend sind, aber leider doch nicht wissen, was für mich persönlich gut ist. Oder die sich selber begrenzen und sich eben keine neuen Schritte zutrauen.

1.Stelle – ICH

Was heisst es für mich, mich an die erste Stelle in meinem Leben zu stellen? Bin ich dann ein grenzenloser Egoist oder gar ein Egomane? Was denken auch in diesem Fall meine Freunde, Familie, Nachbarn, wenn ich solche Sätze ausspreche? Sollte ich doch lieber still sein? Oder eher nicht?

Wir haben so viele Glaubenssätze über Dinge, die wir dürfen, unter welchen Bedingungen und ob überhaupt.

Darf ich das alles? Traue ich mich, das zu denken und dann auch umzusetzen? Brauche ich die Erlaubnis? Wenn ja, von wem? Von meinem Mann, meinen Kindern, meinen Freunden, Kollegen oder Nachbarn?

Oder brauche ich die Erlaubnis von jemandem oder vor allem von mir selbst?

Still sein – Was für Anfänger?

JA, wenn ein Mensch unsicher ist, sich zu zeigen, sich in den Vordergrund zu stellen, eine eigene Haltung einzunehmen und zu zeigen. All dies kann dazu beitragen, dass Menschen in einem Anfängerstadium (was auch immer das heißen soll) noch schweigen. Das ist menschlich und verständlich.

Das würde bedeuten, dass der gleiche Mensch, wenn er mehr Erfahrung hat, mehr Erfolg und Wissen, mehr Selbstvertrauen erworben hat, leichter redet statt zu schweigen. Die Worte kommen leichter, die Übung, zu reden ist vorhanden.

NEIN, zum Glück haben sich die Grundlagen der Erziehung fundamental geändert und Menschen reden heute leichter , mehr und haben keine Hemmungen mehr. Das kann auch ein Problem werden, wenn jeder ungefragt und unwissend etwas zum Besten gibt, haben andere Gesprächsteilnehmer ein Problem damit.

NEIN, denn meine Stimme ist meine Stimme, ich kann sie jederzeit erheben.

NEIN, denn meine Stimme zu erheben, bedeutet auch Freiheit.

Meine Essenz

Ich liebe es, zu reden. Ich kann lange reden und gut, bin begeistert und Menschen hören mir gerne zu. Auch, weil sie finden, dass ich eine sehr angenehme Stimme habe.

Dennoch übe ich mich im Nicht-Reden und im Schweigen, denn nicht alles, was man so hört, braucht eine Antwort oder einen Kommentar. Das fällt mir durchaus schwer-manchmal und manchmal sehr stark.

Mein Luxus ist, im richtigen Moment nicht zu reden, sondern still zu sein. Dadurch kann ich meine eigene innere Stille halten. Ich bleibe bei mir und gehe nicht in Resonanz mit dem Außen, obwohl ich zuhöre. Das erlebe ich als eine Form der Meditation und Stille für mich. Was für ein Geschenk.

Ist Stille im Grunde etwas für Fortgeschrittene?

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Dieser Blogartikel ist im Rahmen der 73. Blognacht entstanden, zu der du herzlich herzlich eingeladen bist.

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