Von „Ich bin zu viel“ zu „Ich bin genau richtig“
Welche Geschichte über mich habe ich lange Zeit für wahr gehalten? Welche Geschichte über mich habe ich endlich losgelassen? Was für eine interessante Frage, die Peggy Bendler stellt.
Ich bin ganz schön rumgeeiert um die Frage. Es waren mehrere Sätze in meinem Kopf, die alle da sind. Trotzdem war es nicht der eine, zu dem ich dann hätte schreiben wollen.
Heute Morgen war er plötzlich da, der eine Satz, der mich seit meiner Kindheit begleitet. Dauernd. Ob ich ihn jetzt vollständig losgelassen habe, da bin ich mir nicht sicher. Aber der Weg ist gut.
ICH BIN ZU VIEL
Wann lernen wir, dass wir „zu viel“ sind
In der Familie, im Kindergarten, in der Schule, im Arbeitsumfeld, in gesellschaftlichen Zusammenhängen. Ist es nicht überall, wo man anecken kann mit dem, wie man ist?
Es sind tatsächlich ausgesprochene Sätze, die das benennen: Du bist mir zu viel. Du bist zu laut. Du bist zu anstrengend. Später dazu mehr. Oft werden diese Sätze auch wiederholt, vielfach, in unterschiedlichen Formen. So lange, bis man sie glaubt und tief verinnerlicht hat. Und leider das ganze, eigene Leben danach ausrichtet.
Es sind aber auch oder besonders die non-verbalen Reaktionen: ein Augenrollen, eine abwertende Handbewegung, ein Achselzucken. Bei diesen Aussagen wiegt die Verunsicherung umso schwerer, weil nichts ausgesprochen ist. Das Kind ist alleine damit und da es das nicht verarbeiten kann, fängt es an zu interpretieren. Da sind dann wilde Geschichten, die sich das Kind innerlich erzählt. Es hat keine Möglichkeit der Reflektion, keine Begleitung, keine emotionale Unterstützung. Es ist alleine in seiner Welt und ordnet irgendwas irgendwohin. Das ist fatal.
Denn hier entsteht das Gefühl dahinter, die Sorge, für jemand anderen zu viel und eine Last zu sein. Diese entstandenen Gefühle sind dann als Folge auch wieder zu viel, zu intensiv, zu falsch, zu emotional. Der Kreislauf ist never ending.
Der Preis von „zu viel“
Der Preis von „zu viel“ ist hoch. Zu hoch. Was treibt Menschen um, die die Botschaft erhalten haben, „zu viel“ zu sein? In welcher Beziehung auch immer. Welche Mechanismen entwickeln sie?
Die Sorge, zu viel zu sein und anderen zur Last zu fallen. Daraus entwickelt sich, dass die Person gar nicht mehr fragt oder um Hilfe bittet.
Entschuldigungen zu geben für minimale Anlässe bis hin zum Gefühl, sich für das eigene Leben entschuldigen zu müssen.
Die eigenen Bedürfnisse werden gar nicht zugelassen oder unterdrückt, um nicht als zu schwierig zu gelten.
Ja sagen statt eines gefühlten Neins, das notwendig wäre.
Schweigen und Zurückhaltung, da zu viele Worte, sprich reden, die Gegenüber nerven.
Meine persönlichen „ZuViel“s
Hier eine Sammlung aus meinem persönlichen Leben,von „ZuViel“s, die ich immer wieder gehört habe.
Ich war…
- zu laut
- zu leise
- zu viel
- zu offen
- zu verschlossen
- zu verträumt
- zu neugierig
- zu viele Fragen
- zu ehrlich
- zu intensiv
- zu leidenschaftlich
- zu sehr im Kopf
- zu sehr im Gefühl
- zu brav
- zu frech
- zu viel reden
- zu viel schweigen
- zu naiv
- zu emotional
- zu anspruchsvoll
- zu angepasst
- zu erfolgreich
Die Liste könnte ich vermutlich ausdehnen, aber ich belasse es bei den für mich wichtigsten „ZuViel“s.
Für wen oder was muss ich weniger sein?
Diese Frage habe ich mir oft gestellt.
Für wen passe ich mich an: um dieser Person ein gutes Gefühl zu geben?
Für wen schmälere ich meinen Erfolg: damit ein Gegenüber keinen Neid empfinden muss?
Für wen mache ich mich klein: damit der andere seine eigene gefühlte Kleinheit nicht sehen muss?
Was wäre, wenn meine „ZuViel“s eigentlich meine Stärke sind, die ich dringend leben muss?
Wem oder was gebe ich das Recht und lasse zu, über mich zu verfügen?
Mein Weg: in progress
Mein Weg ist nicht linear. Dennoch erlebe ich täglich meine Fortschritte und bin sehr stolz darauf.
Ich mute mich zu mit allem, was da in mir ist. Das gefällt oft nicht.
Ich frage und bitte um Hilfe. Viele Menschen warten nur darauf und sind beglückt, zu helfen.
Ich entschuldige mich nicht mehr für mein Leben, meine Gaben und meine Erfolge. Ich lerne, sie selbst zu würdigen und sie großartig zu finden.
Ich passe mich nicht mehr an, sondern erfülle mir meine Bedürfnisse.
Ich erkenne, dass es Menschen gibt, die nie dein Bestes wollen.
Ich erkenne, dass ich immer reden kann, aber nicht muss.
Ich nehme Raum ein, bin zu sehen und zu hören.
Meine Grenze ist eine Grenze.
Von „Ich bin zu viel“ zu „Ich bin genau richtig“
Ich habe geglaubt, dass ich zu viel bin. Ich habe mich angepasst und zurückgehalten. Das tue ich heute nicht mehr.
Ich weiß, wer ich bin – mit allem. Ja, auch mit meinen Schatten. Die kenne ich zur Genüge.
Mein Leben ist ruhig und abenteuerlustig zugleich, gekennzeichnet von viel Gefühl mit einem Tiefgang, den nicht viele Menschen haben. Ich sehe und wertschätze meine Erfolge, von denen es sehr viele gibt. Meine Nicht-Erfolge gefallen mir nicht, dennoch habe ich aus vielen gelernt und lerne immer noch. Ich bin mutig, ehrlich und probiere gerne Neues aus. Meine Begeisterungsfähigkeit trägt oft zum Erfolg bei. Meine Offenheit trägt dazu bei, meine Patienten und meine Klienten gut zu verstehen und zu spüren.
Dies und noch viel mehr trägt zu meiner inneren Heilung bei. Ist diese je abgeschlossen? Ich denke, es geht immer weiter, auf eine neue Ebene oder in eine nächste Tiefe. Ich bin und bleibe bereit, diesen Weg zu mir zu leben. Im Grunde muss ich nichts lernen, sondern eher etwas verlernen, was gar nicht meines war. Ich habe etwas übernommen und geglaubt.
Etwas Angelerntes kann ich auch wieder verlernen.
Ich bin genau richtig
Hast du ähnliche Sätze in deinem Kopf, die du als Kind oft gehört hast? Und die dich klein gemacht haben? Oder gar nicht zu dir passten?
Hinterlasse gerne deine Geschichte in den Kommentaren.

Dr. Martina Riedel Über mich: Ich komme aus der klassischen Schulmedizin und da ich viele Fragen hatte, die mir dort nicht beantwortet wurden, habe ich mich interessiert für und fortgebildet in ganzheitlichen Heilweisen, Kunst als Möglichkeit zur eigenen Heilung, in energetischen Heilweisen und Persönlichkeitsentwicklung. Als Mentorin und Anschubserin ist es mein Ziel, Menschen zu helfen, Zusammenhänge zu erkennen. Ein Wechsel der Perspektive, verbunden mit einer positiven Einstellung, kann wie ein starker Katalysator für eine Heilung sein. Da ich selbst zwei Krebsdiagnosen erfahren habe, weiß ich, wie groß die Bedrohung für die Person ist. Die Antworten und Lösungen sind oft nur einen Schritt entfernt. Dabei unterstütze ich Sie gerne. Hier erfahren Sie mehr über mich.
