Mitte Januar wurde ich aufmerksam auf einen Kanal bei Instagram: Ein Mann, namens Hoang, machte eine 100 Tage Challenge im Public Speaking. Die Bedingungen waren sehr einfach und klar:

100 Tage lang täglich ein Video drehen und hochladen auf Instagram, das 60 Sekunden lang ist, nicht geschnitten und nicht bearbeitet. Spontan in die Kamera sprechen. Sinn ist, die eigenen Skills im Public Speaking zu verbessern sowie die eigenen Hindernisse und Widerstände zu überwinden.

Ich war Feuer und Flamme. Nicht nur von der Challenge, sondern auch davon, wie er es machte. Da ich sehr gerne auf der Bühne stehe und weiter stehen möchte, um zu inspirieren und meine Erfahrungen weiterzugeben, habe ich spontan beschlossen: CHALLENGE ACCEPTED.

Mein unspektakuläres Setting.
Dreibein und Handy.

100 Tage Challenge im Public Speaking

Die Bedingungen

Die Bedingungen waren sehr klar und verblüffend einfach. Täglich ein Video aufnehmen. Ohne Schnick Schnack. Das bedeutet, spontan in die Kamera sprechen. Über ein beliebiges Thema, das jeder natürlich wählen darf. Der erste Versuch zählt. Das Video soll nicht bearbeitet werden, nicht geschnitten, nicht mit Effekten hinterlegt. Kein großes Equipement, kein Aufwand in Sachen Licht, Hintergrund o.ä. Raw sozusagen.

Es gibt auch keinen Organisator oder keine Gruppe, die das sponsorn oder begleiten. Ich alleine entscheide mich, das zu tun. Ich bin nur mir verpflichtet, wenn ich mitmache. Ich bin inspiriert oder eben nicht. Ich mache das in dem Tempo, das für mich passt. Der Outcome ist ungewiss. Die Offenheit und Neugier siegt.

Das Ziel

Das Ziel ist, sich selber zu verbessern und die eigenen Skills zu erweitern, Widerstände zu überwinden, sich trauen, sich zu zeigen. Sich selbst zu beobachten und zu reflektieren, um zu schauen, wie es sich anfühlt und was es mit mir macht. Den eigenen Perfektionismus zu überwinden. Die ersten Schritte zu gehen, mit all der Unsicherheit und Angst, die die meisten Menschen begleiten, wenn sie etwas vollkommen Neues beginnen.

Welche Skills habe ich? Habe ich überhaupt welche? Halte ich das durch? Hilfe, 100 Tage, soooo viel. Habe ich was zu sagen? Will das denn jemand hören? Wie geht das? Wenn das doof klingt? Und dann die Technik: wie soll ich das schaffen?

Diese Liste der internen Fragen ist schier endlos. Ich möchte euch nicht langweilen. Wenn Du eine eigene, interne Frage hast, die Du Dir immer wieder stellst und mit der Du Dich abhälst, schreibe mir gerne eine Nachricht. Ich nehme sie auf in die lange Liste.

Diese Liste ist es, die uns und mich immer wieder abhält, etwas zu wagen und sich diesem Wagnis zu stellen. Denn ja: es macht Angst, Sorge, Aufregung, Peinlichkeit.

Das mit der Lockerheit: da geht noch was.

Die ersten 30 Tage

Gefühle und Ängste

  • Ich bin vor Aufregung fast gestorben. Ich wusste nicht, wie und wohin ich sprechen sollte. Meine Knie fühlten sich so weich an, wie ich das aus Jugendzeiten erinnerte, als ich vor Aufregung fast nicht laufen konnte. Meine Stimme brach manchmal. Ich hatte das Gefühl, dass mein Kopf hochrot angelaufen ist. Mein Herz raste. Als ich das Video dann anschaute mit dem Gedanken, dass ich es sicher absolut niemandem zumuten könne, stellte ich fest: ja, doch, das poste ich. Und.. nö, so schlimm ist es gar nicht.
  • Es war ein Horror für mich, in diese Kamera zu sprechen. Da ich schon andere Videos gemacht habe, hatte ich ein kleines Gefühl dafür, wie es geht. Aber es war wie ein schwarzes Loch, das wie ein tiefer Schlund war, in dem ich versank. Ohne Gegenspieler, ohne Reaktion des Gegenübers. Ein sehr einnehmendes Erlebnis, das rational kaum zu erklären ist.
  • Die Zahlen, Likes, Views waren sehr gering und fühlten sich vernichtend an. Ich weiss, dass Zahlen nicht alles sind und dass ich mich daran nicht aufhängen sollte. Aber dann musste ich der harten Realität ins Auge schauen und erkennen, dass da vielleicht etwas schief läuft.
  • Kommentare waren da und nicht mal schlecht. Ich habe mich gefreut über jeden. Und es sind sehr wertschätzende Aussagen dabei gewesen. Ein großes Danke an Euch und Eure Gedanken.
  • Die Themen und Inhalte schienen erst gar nicht so schwierig, was sich mit der Zeit allerdings änderte. Wie soll ich bloß 100 Tage füllen und womit? Was interessiert mich und die Leute?
  • Eines war klar: das alles hat keineswegs nur etwas mit den eigenen Skills zu tun. Das geht richtig tief.

Aber auch das geschah

  • Ich fing an, mich an die Kamera zu gewöhnen. Dieser gefühlte „schwarze-Loch-Molloch“ wurde weniger bedrohlich. Ehrlich, er interessierte mich gar nicht mehr. Das war nötig, um ein Video zu machen. Ich tat es und schaute in die Linse.
  • Die Aufregung wurde weniger. Nicht weg, aber doch, dass das Gefühl, jetzt gleich mit Sicherheit zusammen brechen zu werden, verschwand. Puhh, ein Glück.
  • Die Zahlen änderten sich nur minimal. Ich beschloß, sie im Auge zu haben, aber davon nicht mein Glück und vor allem nicht meinen persönlichen Erfolg abhängig zu machen.
  • Ich hatte Kommentare. Das ist doch schon mal was.
  • Content zu kreieren. Das ist eine Wissenschaft für sich. Das bleibt ein Thema. Ich vertraue da aber auch auf mein Leben und das, was ich erlebe.
Ein super Erlebnis.

Feedback

Es schien notwendig, Feedback einzuholen. Also fragte ich Zuhörer und Zuschauer, Freunde, Bekannte, Nahestehende und Menschen, von denen ich wusste, dass ich ein ehrliches Feedback erhielt.

Das war nicht nur nice. Und es hatte sehr viele Unterschiede. Jeder wertete aus seiner eigenen Sicht, im Hinblick drauf, wo die Person selbst steht. Was ganz wunderbar ist. Manche waren hart und ich musste echt schlucken, dennoch waren sie wohlmeinend und hatten viel Wertschätzung in sich. Die einen fühlten sich nicht wohl mit meinem Setting, mit der Sprache, der Sprechmelodie, mit dem Licht. Mimik und Gestik sind auch immer ein Gespräch wert. Make Up und Kleidung waren ein Thema. Die Themen waren für manche zu intensiv, andere fühlten sich gelangweilt oder nicht abgeholt.

Für mich war jedes Feedback ein echter Gewinn, mit dem ich etwas anfangen konnte. Und ein echter Gewinn war auch, mit Kritik neu umzugehen. Ich bin dankbar für die Ehrlichkeit.

Mein Fazit der ersten 30 Tage

  • Ich bin mir selber sehr dankbar, dass ich diese Herausforderung angenommen habe. Ein wenig blauäugig und vielleicht auch naiv. Wohl ahnend, dass noch etwas Anderes dahinter steckt.
  • Die Scheu, die ich vor der Kamera, dem kleinen schwarzen Loch, hatte, ist verschwunden und hat einem sehr natürlichen Gefühl Platz gemacht. Was es ausmacht, sich einem Prozess täglich zu stellen.
  • Das Setting hat sich bewährt und ja, es ist ausbaufähig und darf weiter entwickelt werden, was mir Spass bereiten wird.
  • In mir ist eine innere Sicherheit entstanden, die ich transportieren konnte und in gute Reels umgesetzt habe.
  • Das Thema ist klarer geworden genau wie meine Positionierung. Das bedeutet, mehr Content zu haben und mehr kreieren zu können.
  • Ich bin lockerer geworden vor der Kamera.
  • Meine Gestik und Mimik haben sich verbessert. Und sind weiter ausbaufähig.
  • Das mit der Sprachmelodie ist so lala. Ich bleibe dran an einer weiteren Verbesserung.
  • Insgesamt macht mir die Challenge richtig viel Spass.

Eine großartige Erfahrung, die mein Leben sehr bereichert, findet ihren Ausdruck. Mehr davon am Ende der Challenge.

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

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